Grundsätzlich
sei es erfreulich, dass die Landesregierung aufgrund eines Gutachtens Handlungsbedarf
erkannt habe, kommentierte Hoffmann. Der Stadt Hilchenbach könnte der Pakt
jedoch weitere Schwierigkeiten bereiten. In zwei Stufen möchte die
Landesregierung Städten und Gemeinden mit extremer finanzieller Schieflage
unter die Arme greifen. In Stufe 1 sollen von nun an bis 2020 jährlich 350
Mill. Euro zur Verfügung gestellt werden. Empfänger der umlagegestützten
„Geldgeschenke“ sind die 34 Kommunen in NordrheinWestfalen, die zum Stichtag
31. Dezember 2010 überschuldet waren. Zahlen müssen dies die abundanten
Kommunen, diejenigen also, denen aufgrund der Einnahmensituation keine
Schlüsselzuweisungen zustehen. In Stufe 2 soll denjenigen Gemeinden geholfen
werden, die auf eine Überschuldung bis 2016 zusteuern (dies trifft auf etwa 80
bis 90 Kommunen in NRW zu).
Nun ist Hilchenbach wahrlich keine wohlhabende
Stadt – überschuldet sind die Nordsiegerländer aber per Definition keineswegs,
da noch nicht alle Rücklagen aufgebraucht sind und somit noch Eigenkapital
vorhanden ist. Somit gehört Hilchenbach nach den jetzigen Haushaltsdaten nicht
zu den Empfängergemeinden und hätte auf Basis der Zahlen von 2010 sogar eine
Abundanzumlage von 258 000 Euro ab dem Jahr 2014 zu zahlen. Auch wenn diese
Zahl rein spekulativ ist (die Umlage würde jeweils auf die Vorjahreszahlen
gestützt), hält Udo Hoffmann es nicht für akzeptabel, dass Hilchenbach als
Stadt im Nothaushalt nun auch noch für die Schulden anderer Verwaltungen zahlen
müsse. „Aus meiner Sicht wird der Stärkungspakt für Hilchenbach eine weitere
Verschlechterung der Haushaltslage bewirken“, befürchtet der Kämmerer. Hinzu
komme, dass auch avisierte Änderungen im Gemeindefinanzierungsgesetz weitere
Verschiebungen zu Lasten des kreisangehörigen Raums – und somit auch für den
Hilchenbacher Säckel – erwarten ließen.
Birgit Six (UWG) bezeichnete das
Vorhaben der Landesregierung als Schildbürgerstreich. „Es ist nicht in Ordnung,
dass man uns hinterrücks in die Tasche greifen will.“ André Jung (CDU)
erinnerte daran, dass sich in NRW mehr als 160 Kommunen im Nothaushalt oder im Haushaltssicherungskonzept
befinden. Die jährlich auszuzahlende Summe des Paktes sei „nur ein kleiner
Tropfen auf den heißen Stein“. Am Grundproblem ändere dies nichts. Zudem würden
Kommunen wie Hilchenbach „fürs Sparen bestraft“. Helmut
Kaufmann (SPD) fand es „paradox“, dass sogar Kommunen, die
anders als Hilchenbach ihre gesamte Allgemeine Rücklage aufgebraucht hätten, in
einzelnen Jahren als abundant eingestuft werden könnten. Wenn schon eine
Umlagezahlung gefordert werde, dann doch nur von Kommunen, die über Jahre
hinweg abundant seien. Christiane Natusch (Grüne) erinnerte an die Weltwirtschaftskrise
und appellierte an die Solidarität. Skeptisch betrachtete Ernst Heinrich Hofmann
(FDP) jegliche Sparbemühungen, bei denen am Ende diejenigen ebenso gut davon
kämen, die sich weniger bemüht hätten.