Entsprechende Anträge haben SPD und CDU gestellt. Arne Buch (CDU) kündigte dem Bürgermeister zudem an, „die Rechtmäßigkeit Ihres Handelns überprüfen zu lassen.“

Hasenstab blieb dabei: Die Wahl sei nicht so „dringlich“, dass sie außerplanmäßig auf die Tagesordnung gehoben werden könne — planmäßig stand sie nicht drauf, weil die Sachkunde-Nachweise der Kandidaten zunächst nicht vorlagen. Würde der Rat auf der Wahl bestehen, wäre das rechtswidrig: „Ich habe mich abgesichert.“

Vergiftete Abschiedsgeschenke

Die Tonlage blieb gereizt — auch wenn Gerhard Lattek (SPD) später Humorigkeit vorgab, als er sich nach seiner Ernennung zum Stadtältesten vom Rat verabschiedete: Er überreichte Hasenstab Fotos, die bei einer Reise des Sparkassen-Verwaltungsrats nach Brüssel entstanden waren: „Eine kleine Erinnerung an die Zeit, als Sie noch Verwaltungsratsvorsitzender waren.“ Eben diesen Posten wollen SPD und CDU Hasenstab nämlich bei der Neuwahl entziehen. Ebenso vergiftet war Latteks zweites Geschenk, das hochdeutsch-hessische Wörterbuch, das er sich zu Hasenstabs Amtsantritt 2004 gekauft habe: „Das können Sie ja vielleicht für das eine Jahr gebrauchen, in dem Sie noch hier sind.“

Martin Born (fraktionslos) griff das auf, als es um die Einsetzung des von SPD, CDU und FDP beantragten „Arbeitskreises Haushaltskonsolidierung“ ging, wie die „Sparkommission“ nun offiziell heißt. Er bedaure „zutiefst, dass der Bürgermeister sich in diesem Jahr nicht zur Wahl gestellt hat“. Die Politik begebe sich in einen Dauerwahlkampf, „der jede vernünftige Ratsarbeit lähmt“; die Außenwirkung sei „katastrophal“. „Bürgermeister wird, wer Hilchenbach ­voranbringt und nicht in die Steinzeit zurückführt“, sagte Born mit Blick auf den 13. September 2015, den Bürgermeister-Wahlsonntag.

In der Diskussion über die Sparkommission, die einer Gegenstimme beschlossen wurde (der von Martin Born), spielte allerdings auch noch der zurückliegende Urnengang eine Rolle. „Einige von Ihnen haben den Ausgang der Wahl noch nicht so ganz verkraftet“, erwiderte Helmut Kaufmann (SPD) auf Angriffe der UWG.

Wortgefecht um Steuererhöhung

Renate Becker hatte an ein „Wahlversprechen“ erinnert, dass Steuern nicht erhöht werden sollten. Das, so Kaufmann, sei „eine glatte Lüge“. Eine „moderate Anpassung“ der Hebesätze habe die SPD nicht ausgeschlossen. „Vielleicht brauchen wir überhaupt keine Erhöhung“, sagte André Jung (CDU) und setzte auf die Arbeit der Sparkommission. Ob die einen Weg für die Fortsetzung der Schulsozialarbeit findet, hätten die Jugendlichen auf der Tribüne gern erfahren. Die verfolgten die Debatte gemeinsam mit Sozialarbeiter Benjamin Schmitges. Und einem Transparent: „Benni muss bleiben.“


Kultureller Marktplatz: Zwei Varianten für den „Plan B“

Die Suche nach Alternativen zum Regionale-Projekt Kultureller Marktplatz („Plan B“), die nach dem Absturz in den Nothaushalt begonnen wurde, gestaltet sich schwierig. 250 000 Euro würde die Dacherneuerung der Rothaarstuben kosten, teilte die Verwaltung dem Rat mit. Hinzu kämen weitere Sanierungs- und Einrichtungskosten. Eine Amortisation (also ein Erwirtschaften) der Kosten sei „nicht darstellbar“.