Während sich der Kreuztaler Rat kürzlich gegen ein vom Landesbetrieb Straßenbau NRW vorgestelltes Sanierungskonzept der „Hauptschlagader“ des Ferndorftals ausgesprochen hatte, ließen die Hilchenbacher „Kollegen“ gestern einen Appell von Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab auf sich wirken und stellten die Baustellenampel mit mehrheitlichem Votum auf „grün“. Wie berichtet, hatte sich der Landesbetrieb bereits von seinen Planungen verabschiedet, nachdem in der Kindelsbergkommune massiver Widerstand gegen sein Konzept für einen Aus- oder auch Rückbau der B 508 laut geworden war und der dortige Rat ein entsprechendes Negativ-Votum hinterhergeschoben hatte. Auch der Hilchenbacher Stadtentwicklungsausschuss hatte den Straßenplanern Anfang des Monats zu verstehen gegeben, dass momentan keine Umgestaltung der Bundesstraße zwischen Dahlbruch und Hilchenbach gewünscht sei. Bürgermeister Hasenstab pochte in der gestrigen Sitzung des Stadtparlaments dennoch darauf, dem Landesbetrieb noch keine Abfuhr zu erteilen – und fand Gehör. Den kürzlich präsentierten „Umbau“ der Straße fordert der Hilchenbacher Ratsbeschluss zwar nicht direkt, wohl aber indirekt. Hasenstabs Formulierungsvorschlag folgend werden die Straßenbauexperten nun darum gebeten, nach Lösungen zu suchen, wie die Sicherheit entlang der B508 – besonders im Hinblick auf Radfahrer – erhöht werden kann. Vorschläge, gern auch abschnittsweise zu realisieren, sollen in den entsprechenden Fachgremien besprochen werden.

„Unser Ansinnen wird von allen Schulen zwischen Allenbach und Ferndorf mitgetragen“, schickte der Verwaltungschef voraus. Der Lückenschluss des beidseitigen Radwegs an der Bundesstraße sei ein konkreter Wunsch des Gymnasiums Stift Keppel, der Grundschule Allenbach und der Adolf-Reichwein-Hauptschule in Dahlbruch. „Es geht vor allem um die Sicherheit der Kinder.“ Dr. Werner Schäfer, Fraktionsvorsitzender der CDU, stimmte dem Vorstoß zu und sah die Priorität im Abschnitt zwischen SMS Siemag und Stift Keppel. Ernst Heinrich Hofmann (FDP) bezeichnete die „vorbelastete Diskussion“ aus dem Raum Kreuztal als „irritierend“. Die B
508 sei in absehbarer Zeit ohnehin wieder ein Fall für eine Sanierung. „Der heutige Zeitpunkt ist zum Ablehnen der falsche.“ Gerhard Lattek, Sozialdemokrat und Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, erinnerte daran, dass die Vertreter des Landesbetriebs bei ihrer Präsentation im Fachgremium geäußert hätten, dass ein stufenweiser Ausbau nicht möglich sei. Wenn, dann komme nur die Komplettmaßnahme in Frage. Die „exorbitanten“ Kosten für einen solches Projekt halte er momentan für zu hoch, wiederholte Lattek seine Argumentation. Seine Fraktion, die SPD, werde daher nicht für den Vorschlag des Bürgermeisters stimmen. Dieser reagierte prompt und asphaltrau: „Das werden wir im Protokoll festhalten – für den Fall, dass da mal was passiert!“

Hartmut Thomas (Grüne) schlug vor zu prüfen, ob der Landesbetrieb sich tatsächlich so streng gegen einen Ausbau in Abschnitten wehren würde. UWG-Fraktionschef Heinz Jürgen Völkel sprach sich ebenfalls für die Suche nach mehr Zweiradsicherheit am Straßenrand aus. „Wenn wir später feststellen, dass uns das nötige Geld fehlt, können wir immer noch an der Reißleine ziehen.“ André Jung (CDU) äußerte seine Sorge, dass bei einem Nein aus Hilchenbach das Geld des Straßenbaulastträgers – sprich: des Bundes – am Ende in Sachsen-Anhalt oder Bayern landen könnte, zur Freude der dortigen Verkehrsteilnehmer. Klaus Stötzel (SPD) machte mit seiner Wortmeldung deutlich, dass keinesfalls seine gesamte Fraktion gegen den Beschluss stimmen würde, er selbst schon gar nicht. „Wir müssen auf jeden Fall mehr Sicherheit für die Kinder erreichen“ – mit einem Radweg, besonders aber an der Bushaltestelle von Stift Keppel.
Vier von Stötzels Parteifreunden stimmten wie angekündigt gegen das Bürgermeisterpapier. Zwei Ratsmitglieder enthielten sich ihrer Stimme, die übrigen stimmten zu. Der Landesbetrieb Straßenbau NRW darf die „Akte B 508“ also tatsächlich noch einmal herauskramen.